Joburg Expat: Der Schwabenbutcher in Südafrika

October 25, 2011

Der Schwabenbutcher in Südafrika

Sorry, but this post can only be written in German (a first on this blog!), as it is about sausages, sweet mustard, and Southern German culture, so my English readers will have to take a (well-deserved) break.

Da wir gerade wieder einmal unser jährliches Oktoberfest hinter uns haben, ist das eine gute Gelegenheit, euch den Schwabenbutcher vorzustellen. Ja, das ist richtig, es ist nicht nur ein Name, den ich mir ausgedacht habe, sondern dieses Geschäft heisst wirklich so. Das muss man geradezu erst mal auf sich einwirken lassen,  nicht wahr? Hier in Johannesburg, umgeben von Townships, der Busch mit Löwen und den restlichen Big Five nicht weit entfernt, kann man zum Schwabenbutcher gehen und Brezeln einkaufen.




Eigentlich sollte ich gar nicht so überrascht sein. Immerhin war ich mit Noisette schon auf einem "Heurigen" bei dem es von Österreichern in Lederhosen nur so wimmelte. Es gibt eine sehr grosse deutschsprachige Community hier in Südafrika, mit deutscher Schule (und strengen Lehrern, so wie ich höre) und allem drum und dran. Die setzt sich zusammen aus Deutschen, besagten Österreichern (nicht nur in Lederhosen), und Namibia-Deutschen. Die ersteren sind oft Nachkommen von Familien, die nach dem zweiten Weltkrieg auf der Suche nach Arbeit hierher ausgewandert sind, und die letzteren sind hier gelandet auf der Suche nach einem besseren Leben, seit Namibia (früher Deutsch-Südwestafrika) nicht mehr das gleiche ist (für Deutsche) was es einmal war. Übrigens, wenn man hier bei weitem das bestgesprochene deutsch hören will, muss man sich mit einem Namibia-Deutschen unterhalten. Vielleicht liegt das an ihrer Abgeschiedenheit damals, dass sie sich eine gute Sprache bewahrt haben, und vielleicht haben ja die Eltern, so wie wir das tun, jegliche Schimpfworte verbannt, was einfach ist (aber nicht immer), wenn man der einzige in der Familie ist, der sie kennt. Wie dem auch sei, man unterhält sich mit einem Deutschen hier, der das allerbeste Hochdeutsch spricht, und er kommt unweigerlich aus Namibia. Wo er nur bis zu seinem 5. Lebensjahr in den Kindergarten gegangen ist, und doch sonderbarerweise perfekt "ein Weissbier bitte" gelernt hat zu sagen.

"Ein Bier bitte!" Leider ist eins der Dinge, die es hier nicht gibt, Wahrsteiner (ist
ja auch nicht ein Oktoberfestbier), also  mussten wir uns begnügen mit Bitburger...
...und Paulaner

Als ich also letztes Jahr mal wieder frisch umgezogen nach einer neuen Quelle für Bratwürste gesucht habe, wurde mir "Berliner" in Deco-Park empfohlen, und der "Schwabenbutcher" in Edenvale. Erst dachte ich, man wolle mich veräpplen. Aber nein, der hiesse wirklich so, wurde mir versichert, und das musste ich natürlich ausprobieren. Ausserdem habe ich mir beim Berliner nicht unbedingt oktoberfestwürdige Ware versprochen. Auf also Richtung Flughafen, was passte, weil gerade mal wieder ein Gast dorthin gebracht werden musste, und zum Schwabenbutcher. Es war genau so, wie wenn man in Stuttgart zum Metzger geht. Ein sehr grosser Metzger. Mir gingen die Augen über, weil es wirklich alles gab, was man sich vorstellen kann, und ich kam mit viel mehr nach Hause, als ich eigentlich brauchte. Ein Leberkäse, den man nur noch in den Ofen schieben brauchte. Sauerkirschen im Glas. Laugenbrezeln, die ich eigentlich nicht geplant hatte. Aufschnitt in aller seiner Köstlichkeit. Leider war ich erst kurz vor Ladenschluss dort, sonst kann man nicht sagen, was ich noch alles heimgebracht hätte.

Bockwürste und Bratwürste vom Schwabenbutcher

Dann an der Theke, um mich beraten zu lassen, merkte ich sofort, dass das englisch nicht einheimisch klang. Also fragte ich, ob hier auch deutsch gesprochen würde.

"Abr nadürlich sprecha mir deutsch!" wurde mir versichert. "Was willsch denn kocha?"

Da hiermit auch gleich die im Ausland immer peinliche Frage des Du/Sie aus dem Weg geräumt war, ging ich gleich zur Sache und erhielt eine exzellente Beratung über verschiedene Wurstsorten und deren Qualitäten auf dem Grill gegenüber dem Kochtopf, welche Menge am besten passt, und welche Wecken am besten geeignet sind.


Alles war beste Qualität und kam sehr gut an, sodass ich dieses Jahr im Oktober ohne Zögern wieder den Schwabenbutcher aufsuchte. Auch diesmal war unser Oktoberfest ein voller Erfolg, dank auch einiger intensiver Backvorbereitungen mit Hilfe meiner Schwägerin. Das Resultat hiervon könnt ihr unten sehen. Obwohl, ehrlich gesagt zeige ich die Bilder nur, weil ich nach einem Lob für soviel Arbeit fische.

Kirschkuchen, den wir aber Zwetschgenkuchen genannt haben, weil es soviel Spass
macht, wenn die Leute hier versuchen, das auszusprechen

Das Buffet wartet hier noch auf die Würste vom Grill

Prost! Auf den Schwabenbutcher!

Und später am Abend...

Der beste Teil des Festes!

5 comments :

Jenna said...

I can't read German, but this looks amazing! My boyfriend would love it too, because he's Namibian German :)

xoxo
Jenna

Sine said...

well, then he should understand it, because all Namibian Germans speak perfect German, as I said in this very post:-)

Conrad said...

Ich erinnere mich noch gut an die Tage in Swakopmund / (damals noch nicht) Namibia. Da wurde vor 30 Jahren fast ausschließlich deutsch gesprochen, aber ein etwas antiquiertes, sehr gesetztes Deutsch, das in des westdeutschen Ohren etwas befremdlich klang....

Sine said...

Das wusste ich gar nicht, dass das damals noch gar nicht Namibia war. Das ist alles wirklich nicht so alte Geschichte, das vergisst man immer. Allerdings fand ich bisher, dass dieses deutsch sehr hochdeutsch klang, und nicht so sehr befremdlich. Aber so lange Unterhaltungen hatte ich natuerlich auch wieder nicht. Ob dort wohl heute auch noch soviel deutsch gesprochen wird?

W. A. Jeffrey said...

How this post could only be written in German doesn't make sense but oh well.